Alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern soll durch Genossenschaft geräumt werden

Heute wurden in Berlin-Marzahn Flyer wegen einer drohenden Zwangsräumung in Briefkästen gesteckt und an Haustüren aufgehängt:

Obdachlos durch Friedenshort!?
Die Wohnungsgenossenschaft Friedenshort eG will eine al­leinerziehende Mutter samt ihren fünf minderjährigen Kinder räumen lassen. Drei Kinder würden auf verschiedene Einrichtungen des Jugendamts ver­teilt, während die übrigen mit ihrer Mutter ins Obdachlosenheim dür­ften. Das ist rechtens, weil ihr Lebensgefährte auszog!
Zwangsräumungen sind die gewaltsamste Form von Verdrängung und für die Geräumten immer traumatisch. Wir vom Bündnis „Zwangsräumung verhindern!“ organisieren solidarischen Widerstand, auch in Marzahn: Das geht von Briefen über Öffentlichkeitsarbeit, Kundgebungen, Aktionen bis zur Massenblockade. Besonders wichtig ist uns, dass sich Nachbarn solidarisieren: Zusammen können wir Zwangsräumungen verhindern! Das haben wir schon oft hingekriegt. Es kann wieder klappen, wenn Ihr Euch solidarisch zeigt!
Im vorliegenden Fall kündigte Nadines (Name geändert) Lebensgefährte mit einem Schreiben an die Friedenshort eG indem er zugleich deutlich machte, dass Nadine und die Kinder in der Wohnung bleiben würden. Die Friedenshort eG betreibt den Rausschmiss der Familie und bekam vor Gericht Recht, weil der Mietvertrag nur von ihm, nicht von Nadine unterschrieben worden war. So einfach geht das.
Die Familie war aber von Anfang an der Friedenshort eG als Hartz-4 ‑Bedarfsge­meinschaft gegenüber getreten. Daher wusste die Friedens­hort eG zu je­dem Zeitpunkt, für wie viele Personen der Vertrag ausgestellt, die Mie­te vom JobCenter bezahlt wurde, und dass die Genossenschafts­anteile für beide Er­wachsenen gelten. Trotzdem kam die Friedenshort eG vor Gericht damit durch, dass sie die Wohnung nie an Nadine vermieten wollte!
Nadine hat keine Mietschulden, das Amt wird auch weiterhin zahlen. Selbstverständlich hat Nadine als Hartz-4-Bezieherin keine Chance auf dem Berliner Wohnungsmarkt eine Wohnung für eine sechsköpfige Familie zu finden. Das wissen die Verantwortlichen der Friedenshort eG, die diese Räumung betreiben selbstverständlich auch. Wir suchten das Gespräch mit der Friedenshort eG, aber diese mauert! Einzige Reaktion der Friedenshort eG war bislang die Aussetzung der Räumung bis zum 14. Januar 2014. Dass Nadine keine Chance hat eine andere Wohnung zu finden, wird sich aber auch in drei Monaten nicht ändern.
Juristisch sind hier bereits alle Messen gesungen, wir setzen daher darauf, dass sich die Friedenshort eG ihrer sozialen Verantwortung be­sinnt.
Die Friedenshort eG wurde ursprünglich als Arbeiterwohnungs­baugenossenschaft wegen der Wohnungsnot nach dem zweiten Weltkrieg gegründet: Es soll nie wieder Wohnungsnot von Friedens­hort ausgehen!

10 Antworten zu “Alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern soll durch Genossenschaft geräumt werden

  1. Fanny Bernstein

    Ich kann dazu nur eins sagen, Friedenshort ist immer sozial engagiert, gerade was Großfamilien betrifft. Ich glaube, das hier nur die Hälfte angesprochen wird sonst wäre es hier nicht zu so einen Rechtsstreit gekommen. Nur weil “ Nadine “ nicht im Mietvertrag steht, wird sie nicht gleich rausgeworfen und vor allem hätte Friedenshort 100% um Gespräche und Einigung gebeten. Da steckt doch noch viel mehr dahinter….bitte etwas mehr Wahrheit dann kann man auch soziale Verantwortung übernehmen!

    Ich werde diese Seite hier kopieren, bin ja mal bespannt, ob man die wieder raus löscht. 😉

  2. Fanny Bernstein

    Ich kann dazu nur eins sagen, Friedenshort ist immer sozial engagiert, gerade was Großfamilien betrifft. Ich glaube, das hier nur die Hälfte angesprochen wird sonst wäre es hier nicht zu so einen Rechtsstreit gekommen. Nur weil “ Nadine “ nicht im Mietvertrag steht, wird sie nicht gleich rausgeworfen und vor allem hätte Friedenshort 100% um Gespräche und Einigung gebeten. Da steckt doch noch viel mehr dahinter….bitte etwas mehr Wahrheit dann kann man auch soziale Verantwortung übernehmen!

    Ich werde diese Seite hier kopieren, bin ja mal bespannt, ob man die wieder raus löscht. 😉

  3. Markus Bauer

    Ich glaube, das hier etwas verschwiegen wird. Einfach so raus werfen, weil sie sitzen gelassen wurde, kann ich mir nicht vorstellen. Da steckt viel mehr dahinter.
    Außerdem werden dann ja auch noch andere Wohnungen angeboten, vielleicht sollte sie sich ja einfach nur verkleinern und wollte nicht.
    Ich finde, das hier alles sehr einseitig dargestellt wird. Echt traurig für die Kinder, die tun mir am meisten leid.

  4. Edwin Kronschnabel

    Als Familienvater und Mitglied der Linkspartei finde ich das Vorgehen der Genossenschaft skandalös. Was man von unserem “ Rechtsstaat“ halten kann,sieht man hier auch ganz deutlich.
    Warum lässt sich die Genossenschaft nicht zur Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht bbewegen? Wenn die nicht friedliche Einigung wollen,dann finde ich,ist es legitim,die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
    Wie steht es im Grundgesetz: “ Alle Gewalt geht vom Volke aus “ ! Also muss das Volk sich wehren. Oder aber die Genossenschaft einlenken und den Mietvertrag abschliessen.
    Wer stimmt mir zu,das es nicht hinzunehmen ist,das “ Nadine “ und die Kinder dort allein gelassen werden?! Lasst uns helfen. Wie wäre eine Demo vor der Genossenschaft?

  5. Edwin Kronschnabel

    Als Familienvater und Mitglied der Linkspartei finde ich das Vorgehen der Genossenschaft skandalös. Was man von unserem “ Rechtsstaat“ halten kann,sieht man hier auch ganz deutlich.
    Warum lässt sich die Genossenschaft nicht zur Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht bbewegen? Wenn die nicht friedliche Einigung wollen,dann finde ich,ist es legitim,die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
    Wie steht es im Grundgesetz: “ Alle Gewalt geht vom Volke aus “ ! Also muss das Volk sich wehren. Oder aber die Genossenschaft einlenken und den Mietvertrag abschliessen.
    Wer stimmt mir zu,das es nicht hinzunehmen ist,das “ Nadine “ und die Kinder dort allein gelassen werden?! Lasst uns helfen. Wie wäre eine Demo vor der Genossenschaft?

  6. Die Aussagen auf der Webseite erzeugen mal wieder dieses Gefühl von Fingernägeln, die über eine Schiefertafel kratzen:

    „Unsere Mieter haben ein lebenslanges Wohnrecht; die Wohnungen sind keine Spekulationsobjekte, die Mieten sind wirtschaftlich angemessen und sozial verträglich. Mitglieder unserer Wohnungsgenossenschaft sind „Mieter im eigenen Haus“.“

    http://www.wg-friedenshort.net/Ueber_uns.html

    „Drei Kin­der wür­den auf ver­schie­de­ne Ein­rich­tun­gen des Ju­gend­amts ver­teilt, wäh­rend die üb­ri­gen mit ihrer Mut­ter ins Ob­dach­lo­sen­heim dür­ften.“

    Was, genau, haben die Kinder jetzt nochmal gemacht, um das zu verdienen?

  7. also ich finde es eine schweinerei das das so ist das eine alleinerziehende mutter mit ihren kindern auf die strasse gesetzt wird, also hier wo ich her komme kann ein vermieter machen was er will er bekommt aber eine alleinerziehende mutter mit kindern nicht raus, das ist hier ein gesetzt da brauch die frau auch keine miete zahlen wenn der mann sich einfach verpisst….also unverständlich sowas mir tut se einfach leid…..
    Denkt man einmal an die kinder????

  8. zwangsraeumungverhindern

    In bestimmten Kommentaren wird gefordert, dass das Bündnis „Zwangsräumung verhindern“ die andere Seite besser darstellen sollte. Die Friedenshort war leider zu keinerlei Gespräch mit dem Bündnis bereit. Uns liegt der Räumungstitel vor und dieser bezieht sich auf den fehlenden Mietvertrag. So ist die Sachlage.
    Wir haben keinen Anlass einen anderen Räumungsgrund zu vermuten, als den vor Gericht vorgebrachten.
    Wir stehen an der Seite von Menschen, die von einer Zwangsräumung betroffen sind. Da ist das Bündnis „Zwangsräumung verhindern“ niemals neutral, denn wir sehen es als unsere politische Aufgabe an gegen Zwangsräumungen aktiv zu werden und das Grundbedürfnis nach Wohnen zu verteidigen.

  9. Hallo,

    erst einmal vielen Dank für den informativen Beitrag. Solch ein Verhalten ist sozial in keinem Fall tragbar und im höchsten Maß ein Skandal. Die Genossenschaft hat doch nichts zu befürchten, die Miete wird doch weiter anstandslos bezahlt.

    Und ob hier etwas verschwiegen wird, wage ich stark zu bezweifeln. Es handelt sich hier um ziviles Recht und der Geschädigte muss erst mal beweisen, dass die Wohnung Lebensgrundlage ist. Da jedoch der Mann unterschrieben hat und nicht Nadine, scheint es für die Genossenschaft ausreichend zu sein eine Zwangsräumung durchzuführen.

    Ich verstehe das Verhalten der Genossenschaft überhaupt nicht. Es hätte ein neuer Mietvertrag aufgesetzt werden können, den Nadine unterschreibt und alle wären glücklich gewesen.

  10. Gestern gab es im neuen deutschland einen artikel zu dem fall. auch hier hat sich die genossenschaft nicht äußern wollen.

    http://www.neues-deutschland.de/artikel/918378.kein-name-an-der-tuer.html?sstr=zwangsr%E4umung

    vielleicht sollten die mal ihre Genossenschaft in eine GmbH&Co KG ändern.

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